BMW E36 325i CABRIO (1993/94)
ERSTZULASSUNG: 04/1994
KAUFDATUM: 04/2015 aus zweiter Hand
KM-STAND BEI KAUF: 135.000km
BESONDERHEITEN: Seit 1997 nicht im Winter gefahren
FIN: JC46687

Im Juli 2014 war ich im Westen der USA unterwegs, unter anderem in einem Mustang Cabrio. Natürlich passte das alles wahnsinnig gut zusammen: Der Sommer, das offene Dach und die vielseitige Gegend.
Wohl wissend, dass wir zu Hause wesentlich weniger Sonne haben kam in mir der dringende Wunsch auf zumindest für die paar wenigen heißen Tage auch in der Heimat offen zu fahren. Ein günstiges Cabrio musste her. Also habe ich - wie so oft und meist nur zum Spaß - diverse Suchen auf den üblichen Plattformen gestartet und zahlreiche Kandidaten wie Z3, E46, E36, SLK, CLK, MX5 oder TT (nur als Quattro) hinsichtlich „Kaufbarkeit“ recherchiert. Wobei ein originales E36-Exemplar schon mein Favorit  gewesen ist. 4 oder 5 Autos hatte ich mir damals auch aus der Nähe angesehen jedoch wollte der „Das Isser!“-Effekt nicht so wirklich eintreten. Zu rostig, zu undicht, zu teuer oder zu langweilig. So ging der Sommer 2014 ohne Cabrio vorüber und das Thema schlief zum Jahresende merklich ein.
Durch die ersten Sonnenstrahlen im Februar / März 2015 nahm das Thema erneut Fahrt auf und die alten Suchaufträge wurden reaktiviert. Zusätzlich platzierte ich das eine oder andere  kleine Gebot auf ein paar Autos in der „Bucht“. Ein „richtiges“ Auto würde ich auf diesem Wege niemals anschaffen, aber hier ging es um den Spaß und die Gebote waren so niedrig, dass das Risiko überschaubar war.
An Ostern trudelte dann die eMail ein: „Herzlichen Glückwunsch BMW 325i Sommerauto gehört Ihnen“.
Moment mal, bitte was? Ach, stimmt ja. Da war noch eine Auktion wo ich vor ein paar Tagen mitgeboten hatte. Fast vergessen dieses Auto, was auf den Fotos ziemlich traurig daher kam. Zum einen, weil es bei wenig Licht mit schlechter Kamera geknipst und zum anderen schon länger nicht mehr sauber gemacht worden war. Nun ja, jetzt bin ich wohl Besitzer eines E36 Cabrios. Immerhin 6 Zylinder und Leder. Wenn der nix ist bekomme ich ihn sicher für dasselbe Geld wieder los.
Der Wagen stand in Köln. Also hin zur Bestandsaufnahme. Auf dem Hof angekommen sah das Auto kaum weniger traurig aus als auf den Fotos: Katastrophaler Lack-Zustand, ausgeblichenes Grau an Schwellern und Stoßstangen, Dellen und Dreck wohin das Auge reicht. Im Innenraum verteilt lagen leere Coladosen, eine alte Sonnenbrille, Taschentücher (immerhin unbenutzt), ein 5DM-Stück (ja, wirklich!) und sicher 3kg Sand und Staub im Fußraum, auf den Sitzen und im Kofferraum verteilt. Als ich den Motor gestartet habe kam ein jaulendes/kreischendes Geräusch und das Dach liess sich nicht öffnen.
Hm.
Mal verliert man, mal gewinnen die anderen. Das waren in etwa meine Gedanken angesichts dieser lieblos behandelten Fuhre. Der Verkäufer hatte dieses Auto seit 19 Jahren in seinem Besitz und vermutlich vor 18 Jahren das letzte mal gewaschen. Wenn überhaupt.
„Von dem Gejaule aus dem Motorraum stand aber nichts in der Anzeige“ monierte ich „und auch nicht, dass das Dach sich nicht öffnen lässt“. Der Verkäufer hatte wirklich keine Lust mir das alles groß zu erklären und bot an, dass ich auch 300 Euro weniger bezahlen müsse dann könne ich mich ja darum kümmern. Fahren tut der Wagen ja, das Geräusch habe er von Frankreich bisher gehabt und das sei kein Problem.
„Frankreich?“
Ja, der Wagen sei nur sein Sommerauto gewesen die letzten Jahre und habe überwiegend in Südfrankreich gestanden in der Garage. Und ja, die Kinder haben mit Sonnencreme-Händen etliche Flecken in den Lack gebrannt und sicher auch das eine oder andere Eis auf dem Rücksitz verteilt. Jetzt seien die Kinder schon größer und machten keinen Urlaub mehr mit den Eltern und so hat er sich jetzt seinen Traum erfüllt und einen alten Targa gekauft, der das neue Sommerauto werden soll für sein Ferienhaus, zwei Sitze reichen ja jetzt…
Schlagartig verbesserte sich meine Laune und ich schöpfte ein bisschen Hoffnung, ob das Auto nicht doch mehr Potenzial hatte als auf den ersten Blick erkennbar. Sommerauto in Südfrankreich? Dann stand er ja fast immer trocken…
Und so stellte sich der Wagen auf den zweiten und dritten Blick doch noch als echtes Schnäppchen heraus. Der Sand, der Lack, das Ausgeblichene und die vergleichsweise niedrige Laufleistung (135.000km in 22 Jahren) ergaben auf einmal Sinn. Und das allerbeste war: Weil der Vorbesitzer offenbar recht emotionslos mit dem Auto umgegangen war hat er nicht nur darauf verzichtet, das Auto zu hegen und zu pflegen sondern ihn auch von sämtlichem Aufwand verschont, der dem Ruf dieser Baureihe so sehr zu schaffen macht: Umbau, Tuning oder sonstige Verschlimmbesserungen.
Im Laufe der Jahre habe ich dem Wagen all die Pflege zukommen lassen, die ihm vorher nie zuteil wurde. Maßnahmen werden eher präventiv ergriffen als dass ich sie vor mir her schiebe. Mittlerweile übersteigt das investierte Gesamtbudget sicher das, was ein Verkauf erzielen würde, aber das spielt keine Rolle, denn ich plane nicht, den wieder zu verkaufen.
Der E36 wird vermutlich eh nie ein echter Klassiker werden, schon gar keine Wertanlage (ausgenommen natürlich Modelle wie 320is, 318is Class II oder die M3). Selbst der Vorgänger E30 tut sich schwer damit und ich glaube, dass die in den Plattformen aufgerufenen Preise für „Wertanlage“, „Scheunenfund“ und sonstigen Spökes die Volumenmodelle der 90er betreffend nur selten bis gar nicht wirklich erzielt werden.
Ich stelle es mir ein bisschen so vor wie bei einem Hundebesitzer, der sein Tier aus dem Heim gerettet hat: Niemand wollte das Viech haben, was da so vermackt und geschunden aus dem Zwinger schaute und winselte. Auch die Rasse als solche ist nicht sonderlich beliebt (Rottweiler oder so). Bis der eine kam, sich dem armen Ding erbarmte und versuchte, nachzuholen was vorher fehlte.
Oder wie Kalle Grabowski es einst formulierte:
„Du brauchst ein Fahrzeug, was zu Dir passt...Mit Stil, eins mit Charakter - Verstehste? Ein Baby. Zum Liebhaben. Du musst es pflegen, streicheln, tanken, auch Geld reinstecken, son Baby will unterhalten werden!  Aber,dafür bleibts vielleicht auch bis zum Ende Deines Lebens bei Dir - Dein Eigentum!“
Und so freue ich mich jedesmal in diesem Auto durch die Gegend zu cruisen, wohl wissend, dass der E36 polarisiert wie kaum eine andere Baureihe aus München. Stil und Charakter sind ja nun mal höchst subjektive Dinge und die soll jeder für sich selbst bewerten. Auf der „Haben“-Seite des E36 stehen für mich: Saugmotor, 6-Zylinder in Reihe, Drehfreude, Heckantrieb und Keilform, die mir persönlich noch immer sehr gefällt.
REPARATUR- UND WARTUNGS-LOG:
135.000km - Ausrücklager, Kupplung, Reifen, Ölwechsel, Bremsleitungen, Bremsen rundherum, Dachmotor und -gestänge justiert
138.000km - Türdichtungen
139.000km - Batterie, Tankgeber, ABS-Sensor, Pedalwegsensor
141.000km - neues Dach
153.000km - Stoßdämpfer vorne
154.000km - Antennenfuß
155.000km - Stoßleisten getauscht

Fortlaufende Posten: Nebelscheinwerfer. Fallen öfters mal aus. Lederpflege, Lackpflege
NACHRÜSTUNG:
25% Sperrdifferential (für Drift-Kurse, da muss er durch - Freude am Fahren halt ;-)
Radio mit Bluetooth und Freisprechen
Subwoofer für die Reserveradmulde
Styling 32 Felgen in 16 Zoll


Weitere Autos in der Sammlung
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